Novembergedanken
Nebel
Manchmal legt sich der Nebel im Wald wie ein Mantel um mich. Er dämpft die Stimmen der Anderen und verwischt die Konturen.
Alles wirkt weich. Verwunschene Wege, fahle Nebelbänke und stumm wirkende Bäume umgeben mich.
Ich bin im Zwischenreich aus Gestern und Heute, zwischen Ende und Neubeginn.
Im Nebel darf ich unsichtbar sein.
Ich darf bei mir sein und einfach stehenbleiben. Dieser sanfte Schleier ist mein Schutz. Er trennt mich von den Anderen und nimmt mich heraus aus dem äußeren Rahmen.
Er schenkt mir Nähe zu mir. Denn dort, wo die Welt verschwimmt und alles formlos und unsichtbar wird, beginne ich mich nach innen zu wenden und meine Schatten und mein Licht klar zu sehen.
Im Nebel darf alles sein, was sonst überhört und übersehen wird. Hier spricht das Unsichtbare. Es ist ein feines Flüstern zwischen den Tropfen, eine Erinnerung an das, was tief in mir ruht, das ich schon längst verloren glaubte.
Ich fühle, dass der Nebel eine Schwelle ist, wie ein Übergang zwischen den Welten: vom Außen ins Innen, vom Wissen ins Fühlen und vom Tun ins Sein.
Vielleicht ist das das Geheimnis des Nebels: Wenn uns nichts von uns ablenkt und wir allein und abgeschirmt vom Außen sind, sind wir eher bereit, still ins Gespräch mit uns selbst zu kommen und die Tiefe in uns zu erkunden.
Wer gelernt hat, seine Schatten wie auch das eigene Licht anzunehmen, kann gestärkt seinen Weg fortsetzen, wenn der Nebel sich lichtet.
Die Natur folgt dem ewigen Kreislauf von Ende und Anfang
Die Natur folgt im Jahreskreis dem ewigen Kreislauf von Ende und Anfang. Sie lehrt dem aufmerksamen Beobachter, dass das biologische Leben ein Kreislauf ist und dass auf jedes Ende ein neuer Anfang folgt. Nach jedem Winter kommt sozusagen ein neuer Frühling.
Unsere Art, über das Ende zu denken
Als Verstandesmensch siehst du vielleicht das Leben in Form einer Linie bestehend aus der zeitlichen Abfolge von Geburt, Lebensstationen und Tod. Es gibt einen Anfang, ein Dazwischen und ein Ende. Weiter nichts! Diese Ansicht kann jedoch vielen Menschen Angst und schwere Gedanken bereiten, weil sie nicht wissen, was nach dem Lebensende kommt. Auf eine Lebenskrise oder andere lebensverlängernde Ereignisse bezogen, stellt sich die Frage, wie es weitergeht, wenn etwas endgültig zu Ende ist.
Irgendwann stellt sich vielleicht auch die Sinnfrage ein, wozu man das alles erlebt und warum ausgerechnet man selbst.
Dann ist da unweigerlich dieser Gedanke : „Warum bin ich hier, wenn Anfang, Dazwischen und Ende alles im Leben ist?, der ein ziemlicher Felsbrocken in der eigenen Denklandschaft werden kann. Man kommt an ihm einfach nicht weiter.
Ein neuer erweiterter Ansatz bietet dir eine neue Richtung
Der Verstand ist einfach gesagt dazu da, dein Leben und deinen Alltag zu meistern. Du kannst mit deinem Fokus dich zum Beispiel auf ein Problem konzentrieren, eine Lösung finden und diese dann umsetzen. Auch zeigt er dir stets einen bestimmten Blickwinkel auf die Realität, der zudem durch den eigenen Filter in Form von Überzeugungen, Haltungen, Prägungen und Erfahrungen gefärbt ist. Bildlich gesprochen schaust du mit deiner farbigen Brille auf dein Außen und nimmst eine bestimmte Perspektive der einen Realität wahr. Vergleichbar ist das mit einem Taschenlampenlicht in der Dunkelheit. Es erhellt dir einen kleinen Teil, das große Ganze bleibt in der Dunkelheit verborgen.
Wenn du zusätzlich gut mit deinem Herzen und deinen Körper verbunden, spürst du, dass da mehr ist. Es gibt eine unsichtbare Dimension, die in deinem Inneren erlebbar und erfahrbar ist. Sie wird durch das Fühlen bestimmt und durch Liebe und Nicht-Wissen genährt. Vielleicht verortest du diese Wahrnehmung in deinem Herzen.
Ganzheitliche Wahrnehmung
Ich nenne diese Art der Wahrnehmung ganzheitlich. Der Verstand bekommt zwei starke Partner in Form von Herzensweisheit und Bauchgefühl an die Seite gestellt. Beide Wahrnehmungen beziehen ihre Informationen aus der Intuition und dem Sein. Sie denken nicht, sie fühlen. Sie lauschen in die Dunkelheit und schauen auf das Unsichtbare und empfangen.
Wenn du dieser Erweiterung der Wahrnehmung Raum und Zeit in dir gibst, kannst du deine Intuition kennenlernen und immer bewusster nutzen. Dann geschieht ein Perspektivenwechsel in dir. Du gehst aus der Trennung des Verstandes zurück in das fühlende Sein, in die Einheit mit dem Großen und Ganzen, die du im Herzen fühlen kannst. Deshalb ist die größte Aufgabe für uns alle im Moment, vom Kopf ins Herz zu finden und unsere Wahrnehmung verstärkt vom Außen auf unsere Innenleben zu richten.
Wenn du ganzheitlich wahrnimmst
Ganzheitlich Wahrnehmen bedeutet, die tief verborgenen Dinge und Qualitäten zu sehen und zu spüren und unter die Oberfläche zu schauen. Entgegen der Logik „weißt“ du einfach, dass nach einem Ende etwas Neues beginnt, weil die Natur es dir so vorlebt. Du spürst über deinen biologischen Körper, dass du ein Teil dieser wilden und chaotischen Natur bist, die im Herbst im inneren Rückzug, zwischen Nebel und Wasser das Alte tief in sich transformiert und etwas Neues vorbereitet.
Zwischen Ende und Anfang schließt sich der Kreis. Da ist die Leere. Der Schöpfungsmoment für etwas Neues. In der Leere ist nichts und alles, das ganze Potential. Leere ist vor dem Moment, in dem die Natur wieder einzuatmen beginnt und das Neue entsteht. Für eine Lebenskrise oder aktuelle Herausforderung bedeutet das: Dein Leben geht weiter und verändert sich, so wie das Leben in der Natur. Es ist egal, welche großen Ereignissen darin gerade stattfinden. Das sind nur die Geschichten. In der Tiefe ist dein Lebensweg in den großen Kreislauf eingebunden. Und wenn der einmal endet, bedeutet das einfach: Es geht auch nach dem Tod weiter. Das Wie ist eine Sache deines Glaubens.
Intuition und Lösungsorientierung
Durch die Einbeziehung deiner Intuition schaust du mehr auf den Prozess als auf das Problem. Du konzentrierst dich mehr auf die Lösung. Du wechselst vom problemorientierten ins lösungsorientierte Denken. Der Fokus liegt auf dem Prozess.
Weiterhin lernst du, immer mehr auf dich und deine Intuition zu vertrauen. Du erinnerst dich, welche Höhen und Tiefen du schon in deinem Leben gemeistert hast. Das mobilisiert neue Kräfte in dir und stärkt dein Selbstvertrauen.
Ausblick
Nun brauchst du noch einen kleinen Mutausbruch und ein inneres Ja, um in die Veränderung zu kommen und den Übergang zwischen Alt und Neu zu meistern. Loslassen, Selbstfindung und Heilung sind von nun an die Zauberworte.
Leben ist beständiger Wandel und dein Leben wird auch wieder gut. Vielleicht anders gut. Aber richtig gut.
Heilung braucht Geduld, Selbstliebe und Zuwendung
Heilung braucht Zeit, Übung und Liebe. Keiner sagt, dass es einfach ist. Aber es ist möglich, Beziehungen, Verletzungen und belastende Situationen in die Heilung zu bringen.
Es geht darum, Altes loszulassen. Manchmal fühlt sich das wie Sterben an.
Es geht um Veränderung. Das heißt, die Dinge werden durch innere Arbeit transformiert.
Es geht darum, Neues zu gebären. In dem Moment geschieht Heilung.
Wenn du gerade in so einem „Stirb und werde!“-Prozess steckst:
Glaube an dich und gehe deinen Herzensweg! Niemand anders kann ihn für dich gehen. Niemand kann für dich die Verantwortung für dein Leben übernehmen. Nur du selbst!








